MENÜ

Am Alten Güterbahnhof

Das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs liegt zentral in der Duisburger Innenstadt, südlich des Hauptbahnhofs. Die Fläche hat eine bewegte Geschichte, die GEBAG möchte das Gelände nun in eine neue Zukunft führen.

2018: Neuanfang durch die GEBAG

Im Oktober 2018 konnte die GEBAG den Ankauf der Fläche bekannt gegeben, über die Höhe des Kaufpreises wurde Stillschweigen vereinbart. Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link begrüßte das GEBAG-Engagement an dieser Stelle und sah darin einen großen Schritt nach vorn für Duisburgs Stadtentwicklung: „Ich freue mich sehr darüber, dass sich Herr Krieger für einen Verkauf des Grundstücks an die städtische GEBAG entschieden hat. Für uns gibt es somit endlich einen Handlungsspielraum. Wir werden nun die Grundstückentwicklung vorbereiten und uns dabei an den Plänen orientieren, die damals Norman Foster entwickelt hatte."

„Wesentliches Kriterium für unser Engagement an dieser Stelle ist die Sicherung eines für die weitere Stadtentwicklung enorm wichtigen Grundstückes in bester Innenstadtlage. Damit will die GEBAG die weitere Gestaltung und Steuerung der Stadtentwicklung durch die Stadt Duisburg gewährleisten“, erklärte Bernd Wortmeyer das Engagement der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft an dieser Stelle.

Die GEBAG plant auf dem rund 30 Hektar großen Gelände keine eigenen Bauinvestitionen. Vielmehr wird sie sich in ihrer Funktion als Flächenentwicklerin auf die Erarbeitung eines städtebaulichen Konzepts, die Baureifmachung inklusive des Abbruchs der alten Gebäude und die federführende Vermarktung des Geländes an potenzielle Investoren konzentrieren. Klare Vereinbarung ist, dass auf dem Grundstück kein Möbel- oder Teppichmarkt entstehen darf.

2019: Start der Bürgerbeteiligung

Der erste Schritt, um das brachgefallene Gelände einer neuen Zukunft zuzuführen, wurde im November 2019 getan: Die GEBAG und die Stadt Duisburg haben am 18. November mit einer Kick-Off-Veranstaltung den Bürgerbeteiligungsprozess zur Entwicklung des Geländes gestartet. Vor und mit rund 200 Bürgerinnen und Bürgern diskutierten Oberbürgermeister Sören Link, GEBAG-Geschäftsführer Bernd Wortmeyer, Stadtplanungsdezernent Martin Linne und Zukunftsforscher Kai Gondlach mit Journalist Martin Ahlers über die Zukunft des zentralen Geländes.

Download: Vortrag von Stadtplanungsdezernent Martin Linne zur Geschichte und Einordnung der Fläche (PDF)

Die Bürgerinnen und Bürger waren eingeladen, sich an fünf „Themeninseln“ unterschiedlichen Aspekten der Planung des Geländes zu widmen:

  • Wohnen und soziale Infrastruktur
  • Städtebau und Baukultur
  • Mobilität und Umwelt
  • Teilhabe und Raum für Begegnung
  • Wirtschaft und Arbeit

Die Wünsche und Ideen der Teilnehmer waren sehr vielfältig. Von einem autofreien Quartier mit vertical farming-Strukturen über die Etablierung eines soziokulturellen Zentrums mit Möglichkeiten für Start-ups und fortschrittlichen Technologien bis hin zu einem modernen neuen City-Quartier, das Wohnen, Arbeiten und Freizeit miteinander verbindet – der Kreativität waren keine Grenzen gesetzt.

„Wir nehmen alle Ideen mit in den weiteren Prozess. Wenngleich natürlich von Anfang an klar ist, dass wir nicht jede Idee realisieren können – es muss immer geprüft werden, was machbar ist und was den größtmöglichen Konsens findet“, so Bernd Wortmeyer. Dennoch birgt das Gelände ein ungemeines Potenzial – dessen sind sich alle Beteiligten sicher: „Wir haben hier eine Jahrhundertchance, ein neues Stück Duisburg zu erschaffen!“, konstatierte GEBAG-Geschäftsführer Bernd Wortmeyer.

Der Oberbürgermeister versprach: „Bei der Planung dieses Geländes werden wir nichts überstürzen, es geht hier nicht um das schnelle Geld. Es geht darum, transparent und offen mit den Ideen umzugehen und in den Dialog mit allen Beteiligten zu treten. Wir können uns als Stadt hier neu erfinden, neu definieren – und das wollen wir mit der gesamten Stadtgesellschaft gemeinsam tun.“

Ausblick

Im Frühsommer 2020 wird mit dem Rückbau der großen Werkshalle begonnen, der voraussichtlich im Herbst 2020 abgeschlossen sein wird. Parallel wird die weitere Bürgerbeteiligung vorbereitet. Ab Sommer/Herbst wird dann der städtebauliche Wettbewerb durchgeführt. Auch in diesen werden die Bürgerinnen und Bürger im Rahmen des „Bürgerdialogs“ eingebunden und können beispielsweise über die Wettbewerbsergebnisse mit Planern und Experten diskutieren. Nach dem städtebaulichen Wettbewerb und der sich anschließenden Planungsphase werden der Bebauungsplan sowie der städtebauliche Rahmenplan erarbeitet. Die GEBAG rechnet aktuell damit, dass der Bebauungsplan im Jahr 2023 Rechtskraft erlangen wird. Das Projekt wird voraussichtlich im Jahr 2030 abgeschlossen sein.

Historie

Bis 1996: Nutzung als Bahngelände

Das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs befindet sich in zentraler innenstädtischer Lage südlich des Duisburger Hauptbahnhofs. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Fläche industriell und gewerblich genutzt. Eine teilweise Nutzung als Bahngelände mit Eisenbahnwerkstatt sowie Lok- und Güterschuppen erfolgte ab den 1860er-Jahren. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Fläche hauptsächlich als Bahngelände mit einem Rangier- und einem Güterbahnhof genutzt. 1996 wurde die Anlage schließlich stillgelegt.

zum 360-Grad-Rundumblick

1997 – 2017: Ideen für die Brache

Bezeichnend für die weitere Geschichte des ehemaligen Güterbahnhofs ist die Vielzahl an Planungen und Ideen für eine Nachnutzung der Fläche – und die Tatsache, dass keine der Visionen am Ende umgesetzt wurde. Ein erster Entwurf für ein neues Stadion des MSV wurde 1997/1998 veröffentlicht, anschließend gegen Ende des Jahrtausends wurde die Planung weiterentwickelt für ein Multifunktionsgelände mit Stadion und Einzelhandel. Im Jahr 2001 legte Stararchitekt Hadi Teherani den Entwurf für das „Multi Casa“ vor.

Auf über 70.000 Quadratmetern sollte ein überdimensionales Erlebnis- und Einkaufscentrum entstehen. Vier Jahre später folgte ein weiterer Realisierungsentwurf, dieses Mal vom japanischen Architekt Shin Takamatzu. 2005 stoppte der Rat der Stadt Duisburg schließlich die Planungen für das riesige Center – man befürchtete angesichts der Lage der Fläche eine zunehmend verwaisende Innenstadt und steigende Leerstandszahlen.

2009 dann ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Geländes: Lord Norman Foster legte im Auftrag der Bahn-Tochter Aurelis seinen Masterplan für die „Duisburger Freiheit“ vor. Die Planungen sahen die Neugründung eines lebendigen und vielfältigen Stadtteils vor, in dem bis zu 10.000 Duisburgerinnen und Duisburger künftig wohnen und arbeiten könnten. Entlang der Autobahn sowie der Bahnstrecke (sozusagen an den linken und rechten Außenrädern des Geländes) sollten langgezogene Baukörper entstehen, die eine lärmabschirmende Wirkung haben sollten. In der Mitte, zwischen den Baukörpern, sollte sich von Nord nach Süd eine zentrale Grünachse öffnen, eine Art „Central Park“ in Duisburg.

Der Masterplan wurde aber ebenfalls nicht realisiert, weil die Fläche zu Beginn des letzten Jahrzehnts schließlich recht überraschend an den Möbelhaus-Unternehmer Kurt Krieger verkauft wurde. Zunächst sahen die Planungen den Neubau eines Möbelmitnahmemarktes zur Erweiterung des unternehmenseigenen Portfolios vor. Doch die Ideen wurden überschattet von der Love-Parade-Katastrophe, bei der am Zugang auf die Fläche im Karl-Lehr-Tunnel 21 Menschen ums Leben kamen, 500 weitere wurden in der Massenpanik schwer verletzt.

2017 dann ein neuer Versuch: Kurt Krieger wollte auf der 30 Hektar großen Fläche ein Designer Outlet Center errichten. Die Realisierung wurde jedoch im September 2017 durch einen Bürgerentscheid gestoppt, bei dem sich 51,09 Prozent gegen das Outlet aussprachen, 48,91 Prozent dafür. Krieger unterbrach daraufhin alle weiteren Planungen, das Filetgrundstück in bester innenstädtischer Lage lag weiter brach.